9. Dezember 2017 °anne 0Comment

Nach drei Monaten mit Bus und Bahn von zuhause bis zum Ostchinesischen Meer stand der erste Flug auf dieser Weltreise an. Dank dem vielen Regen in Shanghai hatte der Flieger nach Tokyo (292€/2P.) zwei Stunden Verspätung, aber das ist für chinesisches Fliegen scheinbar auch bei Sonnenschein normal – zu viele Leute, zu viele Flugzeuge, zu viel zu viel.
Mit einer Stunde Zeitverschiebung kamen wir dann irgendwann nach Mitternacht in Tokio an und saßen am Flughafen fest: Bahnen fahren bis 5/6 Uhr früh nicht und die Tickets für den letzten Nachtbus gegen 2 Uhr waren ausverkauft, ein Taxi in die Stadt kostet knapp 100€. Wieso sollte auch der internationale Flughafen einer Millionenstadt wie Tokyo rund um die Uhr gut erreichbar sein? Oder genügend Sitzplätze für die vielen Gestrandeten haben? Im 7eleven wagten wir uns an das erste eingeschweißte Essen mit weniger Geschmack für mehr Geld, es gab Internet und sprechende Toiletten und zum Sonnenaufgang die erste Bahn Richtung Stadt. Endlich. Unser Airbnb-Zimmer (29€/Nacht) lag in Bunkyo, einem eher ruhigen Wohn- und Universitätsviertel Tokyos. Nur leicht ab vom Schuss, dafür bezahlbar, mit Anschluss an zwei verschiedene Metro-Linien und Zahlencode-Check-in.

Nachdem wir also etwas Schlaf nachgeholt hatten ging es los: fünf Tage Stadt ansehen, ablaufen, rumfressen, rumfahren und dabei möglichst nicht arm oder verrückt werden. Oder verhungern, wie wir schnell feststellten.

Am ersten Tag reisten wir per Bus zum ersten Schrein und lernten gleich wie ausgeklügelt das Bezahlsystem ist: draußen in einer Schlange anstellen, hinten einsteigen, Ausstieg vorn, Geld muss passend (!!) in einen Automaten beim Fahrer eingeworfen werden. Wer es nicht passend hat kann Münzen und Scheine passend wechseln – natürlich an einem anderen Automaten auch direkt beim Fahrer. Die Japaner zahlen mit Chipkarten, die man sich als Tourist gegen Pfand auch kaufen kann. Da aber fast jede Stadt eine eigene Karte hat haben wir uns keine geholt. Stattdessen hatten wir für 2 Tage ein Ticket mit dem wir (fast) alle Metro- und Subwaylinien fahren konnten (knapp 10€/P.), später noch eins für nur eine Metro und einen Tag (6€/P.). Halt.Stopp. Metro und Subway? Jaaa, es gibt beides und noch viel mehr! Das ganze ÖPNV-Netz ist privatisiert und so gehört jede zweite Linie einem anderen Unternehmen. Mit anderen Preisen, anderen Tickets, anderen Bahnhöfen. Umsteigen bedeutete manchmal unterirdisch einen Kilometer laufen und ein neues Ticket kaufen. Kann man sich kaum ausdenken diese Unpraktikabilität! So viel zum nicht verrückt-werden-wollen! Die Suche nach Verbindungen über google maps funktionierte in Japan dafür generell ziemlich gut und sogar mit Preisanzeige. Kostenloses Internet gab es an Hauptattraktionen, Bahnhöfen oder in den Bussen, sodass wir uns keine SIM-Karte kauften.

Zwischen aufstehen und völlig fertig umfallen haben wir einiges viel zu viel Zeug in der Stadt gesehen. Fließtext wäre zu lang, unübersichtlich und irgendwie müssen die 1000 Bilder aus den 6 Tagen ja gut untergebracht werden  ¯_(ツ)_/¯ Hier also unsere Tokio-unbedingt-to-do-Liste! (vorne Dings, in der Klammer Stadtbezirk) Wir empfehlen fast alles, und noch viel meeeeeeehr…

  • Asakusa Shrine/ Senso-ji (Taito): Ohne Overtempelung kommt man nicht durch Japan, also haben wir uns gleich am ersten Tag einen der bekanntesten Schreine angesehen. Inklusive Glücks-Ritual mit Stäbchen würfeln und Zettel mit Weisheit aus großen hölzernen Kästen ziehen. Außerdem lag es für uns überambitionierte Spaziergänger in Laufnähe und führte uns durchs japanische Stadt-Leben. Großartig!
  • Universität Tokyo, Ueno-Park (Bunkyo/ Ueno): Nächster Tag wieder zu Fuß Richtung Ueno. Eigentlich nur, weil wir am dortigen Bahnhof das Touri-Subway/Metro-Ticket kaufen konnten. Unterwegs durch die Uni zu schlendern fühlte sich bisschen an wie Rory Gilmore in Yale sein (hach!). Der Park ist ganz nett, wenn man noch nicht so viele Wolkenkratzer vor Lotusblättern gesehen hat. Oder hilflose Fische und Schildkröten in Schlammwasser. Und Schreine. Nachts kann man dann japanischen Jungs beim Football Training zusehen. Ein Mufo-Park. In der Umgebung des großen Bahnhofs von Ueno fanden wir die bezahlbarsten Restaurants und Buden. Für uns gab’s leckere Kinderportionen von Sashimi und Takoyaki (Kugel aus Plinseteig mit eingebackenem Oktopusarm).
  • Tokyo Metropolitan Government Building (Shinjuku): Hier hat tatsächlich die Verwaltung der Präfektur Tokyo seinen Sitz. Präfektur, da Tokyo selbst eigentlich keine Stadt ist, sondern nur eine Art Verwaltungseinheit von 23 eigenständigen Bezirken. Das bis 2006 höchste Gebäude Tokyos (243m) hat zwei Türme, die in der 45. Etage kostenlose Aussichtsplattformen haben. Von Aussicht kann man nie genug bekommen, also waren wir ein mal nachmittags und nochmal nachts oben (hat bis 22 Uhr geöffnet). Den Fuji kann man bei gutem Wetter wohl auch sehen, leider nicht an unserem Tag.
  • Cat street & Einkaufsmeilen (Harajuku): In irgendeinem Blog aufgeschnappt und für hipsterig genug befunden zum Ansehen – die cat street und umliegende Straßen sind ein shopping Paradies für größere Geldbeutel in durchdesignten Straßenzügen. Wenn der hippe Shopper müde ist, geht er dann ins Katzen- oder Eulen-Café zum Abmatten. Aber nur mit Mindestumsatz!
  • Crazy-Crossing (Shibuya): DIE Kreuzung! Wollte ich schon immer mal hin und hätte fast ein paar Tränen vor Gerührtheit und Begeisterung vergossen. Für den einen Hörer, der es nicht kennt: hier geht man einfach nur über die Straße. Bei grün. Als Fußgänger. Kreuz&quer und daher so fancy. Letztlich ist es in Japan gar keine Seltenheit, dass alle Fußgänger an einer Kreuzung grün und alle Autos rot haben, aber die Kreuzung hat es halt geschafft so bekannt zu werden, dass alle Welt in den Starbucks strömt um Aufnahmen von Leuten zu machen, die über die Straße gehen (dabei ist die Aussicht aus dem Bahnhof fast besser). Klingt schon bisschen verrückt, wenn man das hier schreibt. But, it’s a kind of magic!

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