29. April 2019 °anne 0Comment

Und da ist er endlich. Der letzte Artikel in der ganzen Reihe, über das Ende unserer Weltreise (nach Asien). Und über Bangkok, denn da ist es einfach immer schön!

Vor fast genau einem Jahr verbrachten wir die letzten Tage dort. Noch ein Jahr zuvor saßen wir zuhause in Dresden, gerade glücklich gekündigt und darauf angestoßen. Heute sind wir von einem Urlaub aus Slowenien zurück (Empfehlung! Artikel folgt… bald) und die Reiselust und das Fernweh sind wieder mal neu entfacht. Erste halbgare Visionen für die nächste Reise wurden gesponnen. Man darf also gespannt sein, was hier heute in einem Jahr stehen wird…

Aber jetzt erst mal ein Jahr zurück. Bangkok.

Wir kamen mit dem Komplettpaket aus Bus und Fähre (30€/2P) von Koh Chang aus an. Natürlich mitten in der Stadt, mitten im Stau und bei gefühlt 30°C mehr. Unsere Unterkunft lag dieses Mal in einem südlichen Teil von Bangkok (19€/Nacht), den wir noch gar nicht kannten. Hier gab es nichts touristisch verwertbares, eine lange Straße voller original Thai-Essensständen und eine mittelprächtige Busanbindung “in die Stadt”. Also genau das richtige für uns. Statt dem Avocadotoast aus der Unterkunft gab’s unser Frühstück von der Straße: süßen Eiskaffee,  kleine Plinsen die man um bunte Zuckerwatte wickelt, kleine Biscuit-Muffins, Chickenspieße vom Grill und kleine Kokosbällchen. Jaa, in dieser Kombination und zu schnell verputzt, als dass man noch ein Foto davon hätte machen können. Ein paar mehr Bilder haben wir dafür vom großartigen Essen in Chinatown hinbekommen. Mit dem letzten Boot fuhren wir da einen Abend hin (dieses Boot auf dem Chao Phraya ist allein schon Ereignis genug!) und futterten uns durch einige Stände. Unter anderem an zwei Straßenständen, die sogar einen Michellin-Stern abgestaubt haben: süße Krapfenteilchen mit Kokos-Creme und die pfefferigste Suppe everever! Zwischen Servieren und Verspeisen husteten alle Gäste wie verrückt – wir natürlich auch – so viel Schärfe lag da in der Luft! Und dafür stehen die Menschen 20 Minuten an einem Straßenstand an – wir natürlich auch. Überhaupt wünscht man sich abends in Chinatown einfach nur unendlichen Hunger.

Eine andere Bootsfahrt führte uns noch in den großen Blumenmarkt (Pak Khlong Market), wo °seb sich mit einem neuen Küchenmesser ausstattete. Eines unserer wenigen Andenken der Reise. Ansonsten kann man da einfach sehr schön durchlaufen und sich vor dem wechselhaften Wetter retten – es gab entweder schütten wie aus Eimern oder pralle Sonne, schwitzen musste man aber die ganze Zeit wie verrückt. Wir besuchten noch unsere Essensmutti vom letzten Bangkokaufenthalt und ließen uns für 3€ eine Stunde lang schmerzhaft massieren. Wie man die Tage eben so rumbekommt ¯\_(ツ)_/¯ Um unsere kulinarische Backflash-Reihe noch komplett zu machen, fanden wir einen Ramen-Laden im Rotlichtviertel. Hier versuchte ich auf dem hässlichsten Nachtmarkt mit meinem schlechtesten Verhandlungsgeschick eine Sonnenbrille zu erwerben – und wurde unter Flüchen verjagt. Mehr Details nur auf Nachfrage an °seb, der die Geschichte mit Freuden breit tragen wird. Mir ist das im Nachhinein dann doch ein kleines bisschen sehr peinlich.

Und dann waren die drei Nächte bis zum Rückflug doch ganz schön schnell verlebt! Plötzlich war der letzte Abend da, es regnete natürlich, und wir genossen noch einmal den Ausblick auf Bangkok von der Dachterrasse mit Dosenbier. Ein großes Abschiedsritual und ausführlichen Rückblick für uns haben wir irgendwie verdrängt_verpasst. Und am letzten Morgen rollerten wir 6 Uhr zum Taxi zur BTS zum Flughafen und saßen plötzlich im Flieger nach Hause. Dank zeitiger Buchung zum Spitzenpreis (213€/P), mit Spitzenverbindung (Bangkok-Köln-Dresden) und mit Proviant aus dem 7eleven.

Nach 20h erwartete uns in Dresden ein kleines familiäres Ankunfskomitee am Flughafen und ein Willkommenskorb mit Frühstück vor der Wohnungstür. Sehr schön! Ein Taxifahrer mit großer Abscheu gegenüber der alternativen gentrifizierten Dresdner Neustadt, 20°C weniger und ein vermisster Koffer. Weniger schön. In den 10 Monaten auf Reise haben wir nie ein Gepäckstück verloren, aber dann zwischen Köln und Dresden. War ja klar. Noch ein Besuch beim Lieblingsdöner, ein Bier und ein liebstes Bett… und dann schlafen wie ein Stein! Willkommen Zuhause!

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Ach so, vielleicht will der treue Hörer wissen wieso jemand ein Jahr gebraucht hat um einen gewöhnlichen Blogbeitrag in den Laptop zu hacken? Achtung, es folgt absolut keine Überraschung: Wir sind auch nur wahnsinnig gut im faul sein und prokrastinieren! Statt diesen Artikel zu schreiben, haben wir uns hier wieder in das Alltagsleben gestürzt, mehr oder weniger erfolgreich. Erfolgreich: Alle möglichen Freunde und Familie wieder zu treffen war wirklich schön. Unsere kleine Schutzkapsel aka Wohnung hat uns zusätzlich über den schnell eingetretenen Frust – wieder in Deutschland zu sein – geholfen. Denn plötzlich hat man alle Leute um einen herum ja wieder verstanden! Und dazu in Sächsisch! Hülfe!! Außerdem wurden wir beide wieder erfolgreich in die Arbeitswelt integriert (okay, eigentlich auch keine Überraschung): Seb ist wieder im Blabla-Business über Maschinen, nachdem er einen Weiterbildungskurs vom Arbeitsamt erfolgreich überstanden hat. Und ich bin inzwischen zertifizierte Expertin in Sachen Kinderschutz und fitze mich in den zweiten Job nach der Reise rein. Es kann also wieder gespart werden! Nach der Reise ist auf jeden Fall auch vor der Reise. Wieder ankommen und reinkommen ging wirklich schnell – vieles ist einfach noch genauso wie vor Reisebeginn, Arbeitslosengeld sei Dank ohne Engpässe, Wohnung war da, Auto fix angemeldet, Krankenversicherung check, Kühlschrank voll dank Lidl, denns & Markt. Aber im Kopf ankommen, das ist immer noch im Gange und das vielleicht weniger erfolgreiche. Vieles in uns sträubt sich halb-bewusst gegen das Ankommen und vielleicht wird es auch gar nicht vollkommen passieren. So richtig wieder hier festsetzen wollen wir irgendwie auch nicht. Es gibt einfach noch zu viele Länder, die gesehen, Strecken, die gefahren und Essen, die gegessen werden wollen. Und die liegen nicht alle direkt vor der Haustür. Also warum eigentlich nicht machen, so lange es nichts gibt das einen fest an einen Ort bindet? Aber wohin zu erst? Und wie? Übertrieben sportlich mit dem Fahrrad? Oder Igor wieder endgültig zum Leben erwecken? Oder ein Igor 2.0 in größer? Oder wie wäre es eigentlich mit dem Boot? Andererseits – was ist mit den Großeltern, dem perfekten erfolgreichen beruflichen Lebenslauf, so einem Normalo-Leben? Alles ist möglich und noch nichts entschieden – in einem Jahr wissen wir bestimmt mehr.

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