27. November 2017 °seb 0Comment

Eigentlich wollte ich im Titel irgendwas mit sympathischen, chinesischen Fischerdörfchen machen. Dann habe ich nochmal kurz bei den Kollegen von Wikipedia nachgeschaut (Ja – Kollegen!!11!1elf – wir machen doch alle was wichtiges mit Internetcontent, Community und so) und die Geschichte von Shanghai ist dann doch etwas komplexer als “Fischerdorf mit kleiner Bevölkerungsexplosion”. Wobei von 1920 / 1Mio auf heutige 15 Mio im Stadtgebiet und 10 Mio drumherum ist eine Ansage.

Mit dem vorerst letzten Nachtzug (43,50 / 2P) ging es von Huashan Hunganshan diesem einen heiligen Gebirge mit dem individuellen Namen nach Shanghai. Leider waren wir etwas zu früh im Wartebereich des Bahnhofs und mussten kaputte, soziale Interaktion mit einem Betrunkenen über uns ergehen lassen. Ab irgendeinem Punkt saßen wir uns mit Smartphones gegenüber, schickten uns WeChat-Nachrichten um die eingebaute Übersetzungsfunktion zu benutzen. Half wenig, war aber immer noch besser als die dauernde Wiederholung von diversen Sätzen in sehr deutlichem sehr langsamen Chinesisch. Denn eins ist klar und so dachte auch unser betrunkener Kumpel – jeder versteht doch Chinesisch, wenn man es nur oft genug langsam und deutlich wiederholt. Zum Schluss sendete er mir noch Fotos von sich, oberkörperfrei mit rosa Badekappe und niedlichem Hund im Arm. Oder hatte der Hund die Badekappe auf? Meine Erinnerung hat Erbarmen.

Wir hatten etwas Mitleid mit ihm, denn er musste mit einem Sitz- oder Stehplatz für die bevorstehende Reise auskommen, allerdings hatten wir auch deutlich mehr Mitleid mit uns und freuten uns darüber, dass unsere Wege leider – leider – leider in weit voneinander entfernte Wagons führten.

Also Shanghai:

Ein zweischneidiges Schwert, einerseits gibt es viel zu konsumieren und zu tun. Für jeden hippen Fetisch gibt es passende Läden (guter Kaffee, hippe Snacks, Kunst, Seltene Biere, Seltenes Essen, Bars mit Aussicht, etc.pp), allerdings sind die weder günstig, noch von in dem Sinne symphatischen Menschen bevölkert. Shanghai hat eine sehr große, party- und konsumgeile Expatcommunity und dazu gesellt sich dann noch der hübsch ungleich verteilte chinesische Reichtum – Ergo, man ist hier stets bemüht sich zu präsentieren und über die anderen zu stellen. Wiedermal wird alles aus der Innenstadt gedrängt oder stark zerstückelt, was sich normale Menschen (also wir!1!11! oder eben die Einheimischen) leisten können oder was hinreichend Charme besitzt. Hutongs gab es auch in Shanghai, wurden aber massiv abgerissen und durch schlecht besuchte Einkaufszentren ersetzt. Ein paar Viertel sind übrig geblieben, die Wege dazwischen sehr weit. Schön, dass wir gerade an der Grenze zu einigen der letzten alten Gebiete gewohnt haben (73€ / 3N).

Wir hatten nur 3 Nächte, das reicht aber auch vollends aus, vor allem wenn man partyfaul ist und keinen Katertag benötigt, wenn man nicht mehr jeder Sehenswürdigkeit hinterherhetzt oder allgemein etwas angeschlagen ist, so wie °anne (Shanghai-Grippe! Ist anscheinend ein anerkanntes WehWehchen).

Die Tage wurden also gefüllt mit Spazieren, essen in muslimischen Garküchen deren Essen anders schmeckt als bisher und mit einigen neuen Nudelspezialitäten daherkamen. Vor allem aber wurde in diesen Läden der Nudelteig immer portionsweise frisch geknetet und die Nudeln erst bei Bestellung gezogen oder gehobelt – da macht warten doppelt Freude. Eins der Gerichte erinnerte dezent an diese eine dt. (sächsische?) langweilig-beste Nudelsauce – Mehlschwitze + Zwiebeln + Ketchup. Sage noch wer was von Muslime gehören nicht zu Sucksen, ey! Schön war ein alter zu Hipsterbüros umdesignter Schlachthof namens “1933 Laochangfang”, der einer Betonarchitektur grau glänzen konnte, die wir so noch nie gesehen hatten. Es folgt: Hipsterarchitekturfotogallerie in schwarzweiss.

Außerdem: Skyline zu jeder Tagzeit angucken – es ist einfach eine der beeindruckensten Skylines der Welt, weiter Hochhausansammlung von Innen anschauen, was viel weniger spektakulär ist, da zwischen diesen Hochhäusern extrem viel Platz ist und sich dort keiner rumtreibt, wenn er nicht gerade ein-paar-hunderttausend vershoppen muss. Als Krönung ging es noch auf einen Kaffee und einen Drink ins 87. Stockwerk des Flaschenöffners (die zweitgrößte Hütte dort) – niemand sollte für 12€ pP auf die Aussichtsplattform im 93. fahren, wenn er sich fürs gleiche Geld ein paar Stockwerke darunter in der Lobby des Park Hyatts einen zwitschern kann. Ok, die 9€ für den Cappuccino laufen unter Wegelagerei. Egal – Wir waren aufgeregt, underdressed und zufrieden. Ich würde davon ausgehen, dass der Boden dieses Etablissements an diesem Tag zum ersten mal durch Teva Sandalen zu 30€ beschmutzt wurden.

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