7. April 2018 °anne 0Comment

Da waren wir also in dieser riesigen Stadt voller Mopeds und Hitze, die man entweder Saigon oder Ho Chi Minh City nennen kann. Zweiterer ist der offizielle Name – zu Ehren von Papa Ho umbenannt, denn unter ersterem war die Stadt vorher bekannt. Während die Suche nach unseren treuen Reisegefährten andauerte, hatten wir einige Tage Zeit um die Stadt und vor allem das Essen zu erkunden.

Wir waren pünktlich zu Tết angereist, also dem vietnamesischen Neujahrsfest zum Start in das Jahr des Hundes. Überall ist zu lesen, die Städte seien zu Tet wie ausgestorben, als Reisender hätte man es schwer was Essbaren zu finden und sowieso wird vom Reisen an den Feiertage abgeraten – entweder es fährt nichts, ist ausgebucht, teurer als sonst oder betrunkene Vietnamesen auf Mopeds machen die Straßen unsicher. Tatsächlich ist Tet DAS Fest in Vietnam, vielleicht noch größer als Weihnachten bei uns. Wirklich alles ist mit Spruchbändern (wir können es inzwischen fehlerfrei aufsagen: Chúc mừng năm mới – Frohes Neues Jahr), bunten Blumen, Bäumchen, Glitzer und Flatterbändern und ganz vielen Hunden geschmückt. Wirklich viele Restaurant und Geschäfte schließen, es gibt ein paar weniger Straßenstände und deutlich weniger Mopeds auf den Straßen, Essensauswahl hatten wir trotzdem genügend. Wirklich viele machen ihre Häuschen und Geschäfte sauber, denn an den Festtagen darf das Glück nicht heraus gekehrt werden und Vietnamesen feiern und trinken miteinander und gehen liebend gern in Blumenausstellungen.

In zwei davon sind wir unbeabsichtigt auch gestolpert. Eigentlich wollten wir das Vogelkäfig-Treffen am Morgen im Tao Dan Park sehen (war aber nicht oder wir zu spät), sind stattdessen aber in eine große Bonsai- und Steinausstellung geraten (1€/P). Hintendran gab’s Spiel und Spaß für die ganze Familie und viiiiele Selfies vor bunten Blumen. Anderntags fuhren wir mit dem Stadtbus (wieder mal hervorragende google.maps Navigation in Saigon) in einen südlichen Stadtteil, angeblich voll hip, voll modern, voll entspannt und viele Cafés an LED-beleuchteter Brücke namens Cầu Ánh Sao. Anlässlich Tet war die ganze Flaniermeile am See eine riesige Blumenausstellung und voller Selfie-verrückter Vietnamesen, die zur Entspannung am See Techno-House-Musik in Lautstärke 300 angeschmissen hatten und kleine Fleischbällchen vom Spieß naschten. Echt, Stil und Asiaten ist eine besondere Kombination.

Ansonsten sind wir natürlich die obligatorischen Sehenswürdigkeiten abgelaufen oder mit dem Bus abgefahren – die Stadtbusse kosten etwa 20ct pro Fahrt und wir wohnten glücklicherweise nicht weit vom Busbahnhof. Das Kriegsmuseum (1,40€/P) ist mehr Fotoausstellung als historischer Abriss und voller Touristen, die sich liebend gern neben den Panzern, Jagdfliegern und Waffen fotografieren lassen. Also doppelt gruselige Bilder hier. Eine Runde führte uns am Turtle Lake vorbei (nett!) zur Book Street (naja) und weiter Richtung Notre Dame und Hauptpostamt. Unter dem strengen Blick von Papa Ho haben wir natürlich wie alle Tourist..äääh Weltreisende Briefmarken geklebt und Fotos geschossen. Die Walking Street Nguyen Hue war dann wieder eine Neujahr-Hunde-Blumen-Partymeile und der große Touristenmarkt Ben Thanh war wegen Tet ganz geschlossen. Wir gingen dafür in Chinatown shoppen und wir waren die Einzigen, die hier zu Fuß unterwegs waren. Zwei Helme für runtergehandelte 18€ und schnell wieder raus aus dem blinkend-schreiend-lauten Shopping-Hölle-Paradies. Von den vielen schönen chinesischen Tempeln haben wir nur einen geschafft – zu viel Rauchentwicklung!

Ein Tagesausflug führte uns zum Binh Khanh Pier und von da auf die Insel Cần Giờ. Das kann man natürlich auch über irgendwelche Reiseanbieter buchen, wir sind mit den öffentlichen Bussen und der Fähre hingefahren – knapp 2einhalb Stunden hat eine Strecke gedauert, dafür inklusive Stadt(rand)rundfahrt und für nicht mal 50ct/P. Geboten bekommt man einen großen Mangrovenwald, ein nachgebautes Widerstandslager der Vietnamesen im Krieg mit Grusel-Plastik-Puppen, paar faule Krokodile und diebische Affen. Sehr. Diebische. Affen. Hätte man wissen können, habe meine Brille aber nach 10min wieder bekommen (ein Wärter konnte sie erfolgreich gegen Futter tauschen) und sie ist nur ein kleines bisschen angenagt.

 

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