12. April 2018 °anne 2Comment

Gepackt, aufgeschnallt, aufgetankt und rein in den Verkehr Saigons, raus aus der Stadt. Glücklicherweise waren immer noch Tet-Festtage, so dass statt krass-todes-viel Verkehr nur sehr viel auf den Straßen los war. Wir fädelten uns aus der Stadt raus in Richtung Süden, ins Mekong Delta. Erster angepeilter Übernachtungsstopp war My Tho, über die schnellste Verbindung nur 70km entfernt, aber für uns ganz besonders individuelle Weltreisende mit Umwegen auf kleinen Land- und Dorfstraßen wurden rund 100km draus.

Abschiedsmusik in Saigon

Es nützt aber auch wirklich keinem etwas, das schöne Moped fahren im Abgas der Trucks. Auch wenn es viel länger dauert und ab und an holprig wurde, die kleinsten Wege waren immer die schönsten. Mehr Natur, unzählige Reisfelder, kleine Kanäle, mehr vom Leben der Vietnamesen sehen, schnell mal anhalten und leckeren Kaffee in der Hängematte oder eine Suppe schnabulieren.. es ist noch toller und schöner, als vorher ausgemalt!

In My Tho zogen wir in ein kleines Hotel ein (9€/Nacht) und gönnten uns Bier zum Sonnenuntergang am Mekong während irgendwelche verrückten Japaner sogar rein gesprungen sind. Nach einem ersten Ölwechsel quasi zum Start der Mopedreise brummten wir ins 20km entfernte Ben Tre, denn wir wollten so richtig zwischen kleinsten Wegen und Kanälen wohnen. Das sogenannte Homestay mitten in der passenden Umgebung war zwar eher ein hölzernes Guesthouse (12,50€/Nacht), aber mit vielen Hängematten im grünen Garten und kostenlosen Rädern zum Erkunden der Insel und problemlosen Verfahren auf den kleinen Wegen. Es war wirklich zu hübsch!

Noch eine Nacht in der Umgebung wollten wir gern bleiben, nur nicht in dem Guesthouse. Wir fuhren die Insel bis zum fast südlichsten Ende nach Ba Tri. Bei irgendwelchem rumzoomen auf google.maps hatten wir auch da ein Homestay ausfindig gemacht, riefen die auf google stehende Nummer mal an und schon saß Anna, die Englisch Lehrerin im Dorf ist, mit uns im Café. Eigentlich wollten wir uns das ja noch überlegen, aber schon parkten unsere Mopeds im Vorzimmer neben den Fässern mit eingelegtem Kohl, unsere Koffer standen in Annas Zimmer (10€/Nacht) und wir auf ihrer schönen Farm und probierten uns durch alle möglichen Obsts und Gemüses im Sonnenuntergangslicht. In den kommenden 48h erwartete uns ein voll gepacktes Programm aus Essen und Kultur. Wir schliefen in Annas Zimmer in einem wirklich einfachen vietnamesischen Haus und mitten in der Familie, also das Zimmer war neu und nett, das Bad… muss man wollen. Wir wollten.

Frühstück gab es auf den örtlichen Märkten, wir waren hier die Attraktion des Tages, da sonst nie Touristen vorbei kommen. Danach gingen wir zum Schnecken sammeln und krochen eine Stunde lang durch die Flüsse bis die Plastiktüte voll war. Zum nächsten Mittag haben wir die auch verspeist – irgendwie lecker, aber nach einer Handvoll reicht’s dann auch. Statt Erholung und Ausspannen wurden wir kurzerhand zum Familienfest anlässlich Tet mitgenommen. Am Frauentisch wurde ich nach Heiratsplänen und Haarfarben ausgefragt, bei den Männern gab’s Alkohol und Anstoßen und immer schön leer trinken. Nach einer kurzen Bootsfahrt im Kanal nebenan fanden wir uns zu einer Stunde Karaoke bei Annas Freundin wieder und grölten “Wonderwall” und “Schrei nach Liebe”, die Mädels standen mehr auf vietnamesische Schnulzen wie “waiting until you say i do”.

Alle lieben Karaoke! Alle!!!!!

Am nächsten Tag statteten wir dem nächsten Familienbetrieb zur Reispapier-Herstellung einen Besuch ab und waren hin und weg von so viel einfacher Handarbeit und trotzdem Rafinesse. Zum Abschluss durfte ich mich in ein traditionelles vietnamesisches Kleid zwängen (Ai Dai), im Tempel Räucherkerzen anzünden, Weissagungsstäbchen schütteln und auf Annas Wunsch entstanden die schönsten Fotos. Aber seht selbst!

Nur! Eins! Darf rausfallen!

Falls also jemand Lust auf richtig echtes einfaches vietnamesisches Leben erleben Lust hat, sollte genau hier hin. Wir hatten wahnsinnig viel Spaß, so viel gesehen und erlebt und gegessen und konnten alle möglichen Fragen loswerden. Es war super! Und super anstrengend für uns kleine Intros. Wir brauchten erst mal bisschen Entspannung und dann fehlte da auch noch so eine kleine blaue Karte…

How to eat snails…

2 thoughts on “#59 – Homestays im Mekong Delta

  1. Bruder, habt ihr euer GIF-Programm geändert oder ist mein Internet langsam? Leider kann ich sie nicht mehr in voller bewegender Gänze betrachten. 🙁 aber die Fotos sind auch schön und das mit den Schnecken hätte ich lieber nicht gewusst 😀

    1. Also ich habs grad mit vietnamesischem Internet auf dem Handy probiert – hat alles geladen. Dann ist dein Internet wohl schuld. Springt immer wieder an den Anfang aber das gif läuft jedes Mal ein paar Bilder weiter oder?

      Nur zu, nochmal Schnecken gucken. Schlurp.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.