10. Juli 2018 °seb 0Comment

Der letzte Artikel liegt schon etwas zurück – ich drücke mich ein bisschen ums Schreiben. Wir sind seit 2 Monaten wieder in Deutschland und Vietnam war quasi der Höhepunkt der ganzen 10 Monate. Folgerichtig trauern wir mindestens einmal pro Woche der Landschaft, den Menschen, dem Essen und unseren Möppis hinterher. Nachdem wir unsere Mopeds schon verkauft und eine Woche per pedes in Hanoi zugebracht hatten, übertraf der Ha Giang Loop kurzerhand nochmal alles bisherige in Sachen herumscootern und Landschaft.

Günstig nach Ha Giang kommt man wie immer auf eigene Faust und deutlich flexibler als einem das die Hostels in Hanoi weißmachen wollen. Per Uber (3,50€) ging es zum Busbahnhof Ben Xe My Dinh. Ungefähr stündlich fahren Busse nach Ha Giang, auch am Tag nur in der Sleeper Version (14€ / 2P), aber immerhin ist man nicht gezwungen zu schlafen und der Busfahrer ist vielleicht etwas fitter, weil er nicht in Ruhe und Dunkelheit fahren muss.

Angekommen in Ha Giang, muss man sich mal wieder von der ÖPNV Mafia abziehen lassen und überteuerte Taxis (2,50€) zum Hotel (8,50€/pN) in die Innenstadt nehmen. Praktischerweise war der Mopedverleih integriert und das damit auch schon erledigt. Für °anne gabs sogar eine Möppi Gedächtnis Honda-Wave in Wunschfarbe (2 Automatikmöppis – 11€ pro Tag). Eigentlich braucht man für die Region auch eine Erlaubnis, die ist aber eher Selbstzweck für 12€ pP und sogar die Unterkünfte die das Ding besorgen, rieten davon ab, weil sinnlos – wir vertrauten der Einschätzung und das war im Nachhinein komplett richtig. Auch wenn °panikanne ein bisschen damit zu kämpfen hatte. 😉

Nach einer Nacht ging es los – wir mussten wetterbedingt Meter machen, so wir denn nicht die Hälfte des Loops im Regen fahren wollten. Und was die nächsten paarhundert Kilometer kommen sollte, war einfach drüber. Reisfelder, Reisterrassen, Karstgebirge, Bergpässe, Abhänge, Anstiege, Täler, heftige Ausblicke – so heftig, dass sich selbst bei °anne irgendwann die Höhenangst meldete und die kommt bei ihr noch deutlich später als bei mir. Ich schwob also die ganze Zeit zwischen himmelhochjauchzend und gefühlt in Todesgefahr.

In dieser spektakulären Landschaft leben spektakulär ärmliche Minderheiten die steilste Berghänge terassieren, mit Erde auffüllen und auf jedem so gewonnenen Quadratmeter Mais oder ähnliches anzubauen. Ab und an wächst Hanf für weniger hehre Zwecke, nämlich ganz klassisch für Stoffproduktion (Stoff, zum Anziehen man! kindisch). Wobei hier im Wasserpfeifenland vielleicht auch die ein oder andere Wirkpflanze wächst. Die Arbeit am Steilhang ist oft Frauen-… oder Mädchensache, die sahen dabei leider auch nicht immer sehr glücklich aus. Männer sind wohl eher in Werkstätten oder außerhalb beschäftigt – die ganze Strecke entlang hatte beispielweise Samsung in jedem Bergdorf große rote Jobanzeigen plakatiert, vermutlich Elektronik für die erste Welt zusammenschrauben, Monatslohn stand gleich mit drauf, so ca. 200€. Diese Bergdörfer werden wohl mittelfristig nur noch vom / für den Tourismus leben oder aussterben.

Am ersten Tag ging es gleich bis nach Dong Van. Trashiges Zimmer (7,50€) in einer Stadt die es binnen 5 Jahren von 1 auf ca. 10 Hotels gebracht hat, immerhin mit Ausblick auf Reisfelder und inmitten von Karstgebirge. Nach einem erstklassigen Banh Cuon aus drittklassiger Bretterhütte zum Frühstück kamen wir am nächsten Tag bis zu einem kleinen Dorf namens Du Gia, völlig abgelegen. Hier gab es offensichtlich 2, 3 fitte Dorfbewohner bzw. Leute im Auftrag der Mopedverleiher aus Ha Giang die einige ganz stilvolle Homestays errichtet, Einzelzimmer Mangelware, dafür rustikaler Schlafsaal für 2,50€ pP. Das Dorf hat nun ein täglich wechselnden Grundstock von Ausländern, was mitunter auch für Neid und Irritationen sorgt. Leider fangen die Homestays alle Touristen in Sachen Essen mit möchtegern “Family Dinner” ein (15 Westler bekommen von Angestellten aufgetischt, pP für Vietnam inflationäre 3,50€) und so waren wir die einzigen die mit Handylicht zum Dorfsuppenhaus stiefelten, dabei fast überfahren wurden, eine ziemlich gute Hühnersuppe für einen Euro abfassten und noch bei jedem Shop im Dorf irgendwas anderes einkauften. Tourismus eben.

 

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