25. Dezember 2017 °anne 1Comment

Die Wettervorhersage für Hiroshima: Dauerregen übers Wochenende. Das machte uns die Vorfreude ja nicht so richtig viel größer. Zumal wir irgendwie in einem Japan-Loch steckten. Mimimimimiiiii! Das Tagesbudget war quasi schon nach dem Frühstück erreicht, dafür wird man in jeder Lebenslage von Regeln gegängelt, täglich muss bezahlbares Essen mit wenigstens etwas Geschmack gefunden werden und dann hab mal Husten-Schnupfen-Heiserkeit in einem Land, das Nase putzen in der Öffentlichkeit als schlechtes Benehmen ansieht. Ne Macke haben die! Wenigstens hat uns das Wetter positiv überrascht – nur zweidrei Stunden leichter Regen am Tag.

Statt dem Nachtbus sind wir am Morgen darauf, trotzdem mit dem Bus, nach Hiroshima gefahren (65€/2P). Die Busse von Willer Express (btw ganz schlimme englische Webseite, so viel zur tollen Technologienation Japan) sind zwar nagelneu, aber ohne Klo. Also halten die Busse ziemlich genau alle 2h an einer Raststätte an. Hier kann man nicht nur auf’s kostenlose sprechende Klo und sich im Shop durch Probesnacks futtern, sondern auch Stempel sammeln. Jede Raststätte hat einen eigenen regionalen selbst geschnitzten Stempel. So groß wie (m)eine Handfläche. Einfach so, für’s Poesiealbum. Also genau das richtige für uns Freaks.

In Hiroshima angekommen war der Bus gerade weg als ich feststellte, das meine Fleecejacke noch drin lag. Dank dem guten Kundenservice hatte ich sie einen Tag später wieder und durch die Fahrt zum Lost&Found-Office ist sie jetzt sogar wieder 8€ wert. Unser Hostel lag ziemlich zentral und hatte die freundlichste Hostelmutti in ganz Japan. Zwar hatten wir als günstigste Unterkunft nur Dormbetten für 34€/2P gefunden, aber die sahen mehr aus wie Kapseln zum reinkriechen. Und in Japan muss man ja mal in einer Art von Kapsel geschlafen haben. Fazit: recht gemütlich mit viel Privatsphäre.

Wofür Hiroshima tragischer Weise bekannt ist brauchen wir ja wohl nicht auszuführen. Der Stadt selbst sieht man von dem Bombeneinschlag damals nichts an, aber man kommt nicht um Denkmäler, das ewige Feuer, die bekannte Ruine oder das Museum herum. Das Peace-Museum zu Nuklearbomben, -technologie und Hiroshimas Geschichte kann man sich mit gefühlt 500 anderen Leuten gleichzeitig ansehen. Uns hat es nicht so sehr beeindruckt, man hat die Bilder aber auch alle schon mal gesehen und was Nuklearkram so aus auslösen kann wissen wir spätestens seit Chernobyl. Dagegen irgendwie gruselig und beeindruckend sind die unzählbar vielen Kraniche hier. Selbst für mich als fröhliche Origami-Falterin. Tausend Kraniche falten bringt laut japanischer Legende Glück und Gesundheit. Hier am Denkmal des kleinen Mädchens, die 10 Jahre nach dem Bombenabwurf an Leukämie starb, gelten sie auch als Mahnung gegen Atomwaffen. Wer will kann seine 1000 gefalteten Kraniche hier abgeben oder herschicken, der Thousand Crane Club sammelt hier fleißig.

Ein Ausflug, um den man in Hiroshima auch nicht herum kommt – den im Wasser stehenden Torii-Schrein auf der vorgelagerten Insel Miyajima. Kostengünstig und gemütlich sind wir mit der Straßenbahn Linie 2 (4€/2P) und Fähre (2,7€/2P) hingezuckelt. Einen Wanderversuch auf den Mount Misen mussten wir wegen Wetter und Lust und Lunge nach Pulsmessung abbrechen. Also mehr Zeit für mehr Fotos vom Schrein im Sand, Schrein im Wasser, Schrein mit uns, Schrein mit Schiff, Schrein mit Japanern, SchreinSchreinSchrein…

Die Hostelmutti hatte für uns einen Bus nach Fukuoka gebucht (54€/2P) und schenkte uns einen Regenschirm zum Abschied. Sehr nett, sehr praktisch. Der angesagte Regen erreichte uns dann in unserer letzten Stadt.

One thought on “#32 – Origami-Kraniche noch und nöcher

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