27. April 2018 °anne 0Comment

Fahren, fahren, fahren. Auf Kambodschas Straßen lebt man gefährlich. Die Vietnamesen sind ja schon sehr glücksorientiert auf ihren Mopeds unterwegs – kommen ohne zu schauen aus Seitenstraßen geschossen, Abbiegen geht immer und überall und erst recht auf die Gegenspur, sowieso ist egal auf welcher Seite man fährt und Helm tragen ist eine Vielleicht-Option. In Kambodscha läuft’s genauso, mit rücksichtslosen Neu-Auto-Besitzern als Extra-Sterbehilfe. Junge, Junge, Junge…

Auf dem Weg zur ersehnten schönen Strecke durch das Kardamom Gebirge mussten aber erst noch einige Hundert Kilometer auf Landstraßen abgefahren werden. Die Wettervorhersage saß uns ab jetzt jeden Tag im Nacken – kommt der angekündigte Regen, oder doch nicht? Wir stoppen für eine Nacht irgendwo im Nirgendwo (okay, es nannte sich wohl Botum Sakor) und fanden ein einfaches Guesthouse (6,50€/Nacht), das uns vor einem mächtigen Gewitter mit Superregen bewahrte. Leider nicht vor dem Jahrmarkt direkt nebenan.

Am nächsten Mittag erreichten wir wieder die touristische Zivilisation in Koh Kong und füllten alle Reserven auf – Geld, Tank, Regencapes, Schlaf. Außerdem Ölwechsel #2 und endlich ein Honda-Service, der die Kette richtig einstellen kann. Ohne nerviges Klappergeräusch bogen wir hinter dem recht einsamen Flughafen der Stadt auf einen kleinen Plattenweg und waren plötzlich inmitten dschungelig grüner Landschaft. Wun-der-schön! Im Kardamom Gebirge befindet sich eins der letzten intakten Regenwaldgebiete in Südostasien und laut Wikipedia unzählbar viele Tier- und Pflanzenarten. Tatsächlich begegneten wir wenigen Tieren, aber hörten die verrücktesten Vögel. Auch wenn der Wald hier zur Abwechslung noch vorhanden war (das restliche Land  ist quasi leer gerodet), wir sind an vielen Staudämmen vorbei gekommen, die dann den umweltschädlichen Eingriff in die Natur vornehmen. Ganz ohne korrupte rücksichtslose Projekte geht’s in den armen Ländern Asiens selten, leider.

Immerhin konnten wir an einem Staudamm-Wachhäuschen den zwanzig-minütigen asiatischen Weltuntergangsregen halbwegs trocken abwarten. Die letzten 20km bis zu unserem Übernachtungsort Osoam waren dann eine matschige Rutschpartie mit braunem Schlamm bis zu den Knien. Bis Osoam war der Weg besser als wir zuvor befürchtet und gelesen hatten – komplett asphaltiert und mit maps.me/google.maps auch ohne Verfahrgefahr. Im örtlichen Community Center, das ziemlich nette Bungalows und Voluntärsarbeit anbietet fanden wir zwar keinen Platz mehr, aber gute Tipps für die kommende Route und Abendessen. Außerdem wurde uns noch gesagt, in welchem der drei Guesthouses im Ort wir nicht schlafen sollten, wenn wir die Abholzverbrecher nicht unterstützen wollen (haben wir nicht gemacht und 4€ für eine Nacht im Familienhotel bezahlt).

Wie wir abends zuvor erfahren hatten, gibt es zwei mögliche Motorbike-Routen von Osoam nach Battambang. Nummer 1 sollte die interessante sein, führt weiter durch das Gebirge immer nach Norden bis Battambang, etwa 170km, Straßenverhältnisse – aufregend. Wir nahmen Variante 2, mit 50km aufregenden Straßenverhältnissen, anschließend 200km Straße/ Highway und Zwischenübernachtung in Pursat. Nach 4 Stunden hatten wir die ersten 50 aufregenden Kilometer auf dem roten Dreckweg bergauf-bergab geschafft. Kann man gut machen, wenn der Weg nicht matschig ist, aber dauerte auf unseren Lieblingsmöhren eben auch. Wir feierten die Asphaltstraße und 80km später das ersehnte Bett in Pursat (12€/Nacht). Pursat hat nicht viele Touristen, aber immerhin eine Insel, die wie ein Schiff aussieht, einen sympathisch wuseligen Markt und leider keinen Bamboo-train mehr. Mit gewaschenen Mopeds und Klamotten ging’s am nächsten Tag weiter nach Battambang. Ja, der Highway war dann wirklich langweilig, schnell geschafft und deswegen ohne Fotobeweismaterial. Dafür war die Strecke durch das Kardamom Gebirge wirklich die schönste in ganz Kambodscha.

 

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