6. August 2017 °anne 2Comment

Wie man in Moskau am besten startet? Warum nicht folgendermaßen: ziemlich übermüdet aus dem Nachtzug stolpern, Gepäck abgeben und mit-oder-ohne Katzenwäsche früh halb 8 vor allen anderen Touristen auf dem Roten Platz Selfies machen – aber bitte ohne Gähnen. Prädikat: besondere Empfehlung!

Auch hier kostet das 3-Tage-Ticket nur reichlich 5€ und hat uns am ersten Tag nach dem Frühstück in den beliebten Gorky-Park gebracht wo wir die Zeit bis zum Einchecken mit Leute beobachten und Eis essen rumgebracht haben. Einchecken hieß in ein Airbnb-Zimmer zum Superpreis von 19€/Nacht und nur 10min vom Roten Platz entfernt, hinter dem Bolshoi Theater. Hier sind wir jeden Tag 5mal an unserem Lebens-Brutto-Einkommen in Form von Luxuskarossen und Uhren vorbei gelaufen. Für die Lage und den Preis ließ sich dann auch das unglaublich knarzende Bett im Zimmer neben der Rezeption mit Ohropax aushalten.

Am ersten Abend sind wir noch nach Arbat gefahren, eine Künstlerstraße, haben endlich mal wieder ein paar Postkarten gefunden (ist hier wirkliche eine Seltenheit), in der my-my-Kantine (sprich muuh-muuh, höhö) gespeist, Straßenkünstlern zugeguckt und später am Roten Platz mit Wodka auf Jörgs Geburtstag angestoßen, kurz bevor er gesperrt wurde. Schon am Morgen wurde dort eine überdimensionale Bühne aufgebaut, die, wie wir später erfahren haben, für einen Boxkampf vorgesehen war. Dass für solche Großveranstaltungen anscheinend regelmäßig eine der Haupttouristenattraktionen gesperrt wird, null Problemo.

Nächster Tag war Waschtag. In unserer Unterkunft gab’s keine Waschmaschine, im Marriot-Hotel um die Ecke wollten wir gar nicht erst nach dem Preis fragen gehen und Google hatte uns einen Waschsalon am Rand der Stadt, hinter dem 2. Verkehrsring, ausgespuckt. Also nix wie hin, bis 11 Uhr sollte das Waschen noch extra günstig sein. Außerdem konnten wir somit Stadtrundfahrt und 3-Tages-Ticket-abfahren verbinden – perfekt! Mit Händen und Füßen erklärt was wir wollen, hatten wir am Ende des Tages frische Wäsche für 4,50€. Zwischendurch sind wir mit der Straßenbahn rumgezuckelt, haben ein Frühstückspicknick mit Quark der wie Cheesecake-Masse geschmeckt hat eingelegt und Zugtickets nach Rostov gekauft (auch ohne Pass und ohne Russisch erfolgreich, fast sogar die gewünschten Plätze, 17€/2 P.). Abends haben wir uns dann ein festliches Mahl aus einem Kantinen-Restaurant gegönnt, aber mit Kulisse: im GUM. Das war schon seit dem es den Roten Platz gibt ein Marktplatz und ist heute DAS Warenhaus Moskaus. Ganz schön schick und teuer, aber must-do zum schön Rumflanieren zu leichter Swingmusik und Rolltreppen hoch und runter fahren.

Statt am nächsten Morgen auf dem Danilovsky-Markt zu frühstücken (der wurde vollkommen verhipstert, so auch die Preise, der Israeli-Stand hatte sogar Club Mate für 3,50€/ 0,3l), haben wir im Supermarkt ein Picknick gekauft und im Gorky Park am Springbrunnen gegessen. Danach sind wir durch den anliegenden Skulpturenpark von Lenin zu Lenin gestiefelt und haben uns vor dem kommenden Regen in die Metro gerettet. Die Moskauer Metro-Stationen sind ja berühmt für ihre Schönheit – und das zu Recht. Insgesamt haben wir bestimmt doppelt so viel Zeit in den Stationen mit Fotografieren als mit dem Fahren selbst rumgebracht. Lohnt sich aber auch immer wieder. Dank der Wikipedia-App in der man sich Artikel offline speichern kann, kann ich meiner Leidenschaft von Wissen anreichern, durch- und vorlesen sogar ohne Reiseführer nachkommen. Über die Moskauer Metro wissen wir jetzt alles. Auch wie es sich zur Rush-hour anfühlt und warum man auf dieses Erlebnis eigentlich wirklich verzichten kann. Manche Stationen behandeln bestimmt Themen, wie die ukrainisch-russische Freundschaft (*hust) am Kiewer Bahnhof oder die russische Luftfahrt an der Majakowskaja (mein Favorit!). Ansonsten Hauptsache Kronleuchter, Gold, Mosaike und Denkmäler – zack, schick! Pi mal Daumen sind vor Stalins Tod gebaute Stationen häufiger prunkvoll, danach gleichergleich-sowjetisch. Die geheime Metro 2 haben wir leider nicht gesehen, aber es soll sie ja wirklich geben.

Eines unserer Moskau-Highlights, ach woo, einer der Gründe warum wir überhaupt nach Moskau wollten – ein Besuch im Netflix-“Chefs Table”-Restaurant White Rabbit! Ein (fast) Sterne-Restaurant mit mega Aussicht über die Stadt. Die Preise hatten wir vorher schon ergooglet und für noch-bezahlbar befunden. Ich will hier ja nicht zu ausschweifend schwärmen, aber vom Eingang durch die Luxus-Passage in der mehr Securitys standen als zahlende Kunden, der Aufzug-Suche und dem an den Platz gebracht werden bis zum unserem persönlichen Kellner Alex, der sich mit uns gefreut hat wie wir alles kichernd supersupersupercool fanden. Wie die ersten Menschen auf dem Mond mit glänzenden Augen. Unser Essen hat hochklassig gut geschmeckt (vor allem Beef Tar Tar und Honigkuchen mnomnomnom) und mit nur 66€ auf der Rechnung sind wir seelig wieder rausgeschwebt. Hach.

Die Bootsfahrt auf der Moskwa (14€/2 P.) haben wir uns für den letzten Abend aufgehoben – wirklich ein gebührender Abschluss! Eineinhalb Stunden auf einem fast leeren Boot durch die ganze Stadt zum Sonnenuntergang gondeln. Schon eine wirklich schöne Stadt: Kreml hier, Zwiebeltürmchen da, eins der riesigen Stalin-Hochhäuser (Sieben Schwestern) sieht man immer, Moskau City mit modernen Hochhäusern, Brücken, Park, roter Himmel…
Letzte Station vor dem Bett und unserer Abreise am nächsten Tag war das Denkmal für die Eroberer der Weltraums: eine Rakete auf einem Titan-Schweif auf einem kommunistischen Bild in riesig. Die Jungs wollen jetzt wieder Astronauten werden. Auf jeden Fall Wahnsinn was die hier so für Denkmäler überall hinstellen.

Schön, schön, schön war Moskau. Nicht ganz so anstrengend und klassisch wie Sankt Petersburg. Hat uns sehr gut gefallen. An den hunderten von Baustellen als Vorbereitung auf das große Fußballereignis nächstes Jahr haben wir wohl ganz gut drumherum fotografiert. Aber wirklich! Alles voller Baustellen! Jeder zweite Fußweg, hier noch ein Stadion, da noch neue Fassade, hier neuen Asphalt…. Unsere maldrübermaldrunter 20.000 Schritte haben wir täglich geschafft. Dann hat’s aber auch erst mal gereicht mit der Städte-Anguckerei und es ging in den Goldenen Ring, nach Rostov-Veliky.

2 thoughts on “#06 – Moskau! Moskau! Laalala lala lala…

  1. Ich warte immer wieder ganz gespannt auf euren nächsten Blog. Ihr schreibt sehr bildhaft. Liebe Annemarie, deine Beiträge lesen ich mit deiner Stimme im Kopf und finde sie sehr amüsant. Mit euch kann man echt auf Weltreise gehen und dass von meinem Sofa aus. Es ist echt der Wahnsinn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.