14. Mai 2018 °seb 0Comment

Zeit sich von Kambodscha zu verabschieden, getrauert wurde nicht – im Gegenteil. Kaum waren wir über die Grenze, gab es schon den ersten vietnamesischen Kaffee in einem recht heruntergekommenen Hängematten-Café am Straßenrand. Es wurde gefühlt wieder grüner, etwas zivilisierter, weniger vermüllt, geschäftiger, interessanter. Da waren Dinge mit Wiedererkennungswert, lesbare Schilder mit vietnamesischen Gerichten. Günstiges und leckeres Essen – greifbar wie nur selten in den vergangenen 20 Tagen. Es war ein bisschen wie nach Hause kommen. Nur ohne Internet, Sim Karten abgelaufen, Mist.

Die Kleinstadt Tay Ninh, die wir uns als erreichbar ausgesucht hatten, lag nur 15km hinter der Grenze. Gut so, der Tag wäre auch ohne Phnom Penh’sches Restkrankheitsgefühl schon lang genug gewesen. 190 Möppi-Kilometer gehörten bis dahin zu den eher längeren Tagesetappen. Die erste Unterkunft in Vietnam war zwar etwas ernüchternd, aber der niedrige Preis von 5,50€/N, frisches Internet (2 x 2,50€ für 2,5Gb bei Viettel) und eine erste gute Pho halfen darüber hinweg. Wir hatten unsere vietnamesischen Morgenrituale nicht vergessen – am nächsten morgen fuhren wir zeitig los, nur um kurz darauf mit hervorragenden Banh Mi’s im nächstbesten Café zu versacken. Vietnam.<3 <3 <3 XOXO !!!11!elf!

In der Region gibt es einige größere Stauseen, die offensichtlich der Bewässerung dienen – es wurde tatsächlich wieder grüner, trotz Trockenzeit. Nicht wirklich nachhaltig, kilometerweit mit Lineal und rechtem Winkel angeordnete Gummibäume in allen Größen, die Stauseen waren ebenfalls schon ziemlich erschöpft, aber immerhin grüne Wüste statt staubiger Wüste. Nebenbei fuhren wir die ersten 50km auf dem Ho Chi Minh Highway. Der gediegene vietnamesische Verkehr sorgte für Entspannung. Ja, gediegen. Ja, der vietnamesische Verkehr. Ja, Entspannung. Die können zwar nicht Moped fahren, aber das tun sie verhältnismäßig langsam und sollten sie doch ein Auto besitzen, scheinen sie vorher die Außenmaße verinnerlicht zu haben, im Gegensatz zu diesen kambodschanischen Raudies!

Nächste Station: Dong Xoai, eine völlig unbedeutende vietnamesische Stadt die sich an einem zünftigen Kreisverkehr angesiedelt hat. Gutes Hotel mit Aussicht zu 9€ nur 6€…es gab 3€ Discount. Diese Experten meinten, die erdigen Restflecken (kambodschanischer Dschungelmatsch) mit Chlor und Bürste aus meiner Hose entfernen zu können. Konnten sie nicht. Wir dachten eine ganze Weile, das wäre Schimmel. Den Tränen nahe übergab ich die Hose Tage später dem Mülleimer. Ich hing dieser Hose aus Ulaanbataar mehr nach, als dem Land das wir gerade verlassen hatten.

Immerhin folgte am nächsten Tag eine schöne Fahrt nach Bao Loc. Auf kleinen Nebenstraßen durch vietnamesisches Mittelgebirge – Pfeffer, Kaffee und irgendwas stachliges gaben sich abwechselnd die Ehre, jeder Quadratmeter war hier bepflanzt. Wir versuchten uns an den ersten Kilometern echter Regenfahrt und gaben sofort wieder auf. Glück im Unglück, nach 10 Minuten Unterstellen kam die Sonne wieder raus. Bao Loc war ganz sympatisch, es war ein bisschen Seele streicheln nach dem Verlust der Hose (und Cambodia), am Ende blieben wir sogar für zwei erholsame Nächte. Luxushotel für 20€ pN und erstklassiges Essen, nämlich die regionale Version von Sommerrollen zum Selberwickeln, unfassbar riesige Portion zu 3€ für zwei Leute. Hatten wir schon erwähnt, dass wir große Vietnam-Fans sind?

 

 

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