17. März 2018 °anne 0Comment

Aus dem Slow Boot raus, in die Stadt rein: für die erste Nacht in Luang Prabang hatten wir uns ein Doppelzimmer in einem von Chinesen übernommenen Holzhaus-Hostel vorgebucht (15€/Nacht) und bekamen so direkt das Stadtfeeling: alles ist von Chinesen aufgekauft, wird gekauft, wird gebaut oder zumindest sind schon mal chinesische Schriftzeichen dran. Und Holzhaus meint wie schon in Thailand gemeinsames Bad, eigenes Zimmer, aber so viel Privatsphäre wie beim Zelten – man sieht Wände, aber die taugen nicht gegen jegliche Geräusche. Der unchinesische Teil der Altstadt besteht dann quasi aus Franzosen und ihren Schickimicki Boutique Hotels. Am nächsten Tag fanden wir nach einigem Suchen einen nettes Zimmer mit Balkon in sympathischer Lage (hinter dem Berg, am Nebenfluss, 14€/Nacht) und hielten es da gute drei Nächte aus.

Wir waren wieder bei 30°C-Tagen angelangt und haben uns trotzdem zu einigen Stadtspaziergängen mit Tempel-Besuchen in der UNESCO-Weltkulturerbe Stadt aufraffen können. Aber ganz so hat mich die Stadt von ihrer außergewöhnlichen Schönheit nicht überzeugen können. Vielleicht auch, weil alles auf Touristen ausgelegt ist. Hier leben keine Laoten mehr, sondern nur Chinesen und Ausländer und fast jedes Lädchen will an die was verkaufen. Null echtes Laos-Leben. Wegen der vielen Touristenansammlungen haben wir paar Hauptattraktionen ausgelassen, wie den Kuang Si Wasserfall und den Tempelberg Mount Phosi. Außerdem hatten wir zu viel von Moped-Ausleih-Betrügereien in Luang Prabang gelesen, sodass wir einen Kulturtag zu Boot und Fuß auf die andere Seite des Mekongs unternommen haben. Dazu ging’s mit einem kleinen Fährboot auf die nördliche Flussseite rüber (1€/2P) und zu Fuß zum Wat Xieng-irgendwas und Wat Chomphet (je 1€/P Eintrittsspende). Dass da auf der anderes Seite was ist, scheint wenigen bekannt zu sein (auf google maps ist es nicht eingezeichnet, auf maps.me schon), wir haben da nur eine Handvoll andere Touristen gesehen. Dabei ist der Ausblick auf die Luang Prabang-Halbinsel vom zweiten WaT sehr hübsch und mit darüber startenden Flugzeugen als Bonus. Mit einem kleinen Boot nur für uns ging es wieder zurück (2€/2P).

Kulturmäßig waren wir noch im UXO-Infozentrum (UXO = unexploded ordinances = Blindgänger), weil muss man gesehen haben! Oder wer wusste hier, dass Laos das am stärksten bombardierte Land der Welt, entsprechend seiner Einwohner ist? Während des Vietnamkrieges wurden hier von den Amerikanern über zwei Millionen Tonnen Streubomben abgeworfen und viele der kleinen Bombies liegen noch immer als scharfe Munition herum und verursachen fast täglich Verletzte oder Tote. Vor allem Kinder sind betroffen, die das vermeintliche Spielzeug aufheben oder Farmer. Die UXO-Lao Organisation arbeitet neben der sehr langsamen Räumung u.a. auch an Aufklärungsprojekten in Schulen (mehr dazu hier).

Überraschenderweise konnte Laos bis dato schon alle Vorurteile und Vorerfahrungen von °seb in Sachen mittelmäßiges Essen überbieten. Schon am Slow Boot fanden wir günstige gute belegte Baguettes und später an jeder Straßenecke. Außerdem waren die laotischen Nudelsuppen durch die Bank sehr gut, auch wenn sie meist nach nix Besonderem aussahen oder vom noch so kleinen Straßenstand kamen. Meistens bekommt man einen Korb voller frischer Kräuter und Salatkram dazu, den man sich dann in die Suppe zupft. Ein anderes typisches Essen der Laoten hat gute Chancen auf einen Platz in meinen Lieblingsessen überhaupt: Laap (scharfer Salat aus beliebiger Fleischsorte) mit sticky rice. An jeder Ecke bekommt man leckere Shakes (unser neuer Favorit ist Banane-Limette) mit Mekong-Blick und Lao-Kaffee, der schön stark ist und mit Kondensmilch-Satz kommt. Einen Abend sind wir den Gutscheinzettelchen gefolgt, die von fleißigen ausländischen Volontären in der ganzen Stadt verteilt werden (Volontieren in Laos = an der Bar eines Saufschuppens für Kost&Logis arbeiten… häää?) und haben uns Trinkspiele und Limbo in der Sakura Bar angesehen. Unsere treuen Begleiter Beer Lao und Lao Khao (Schnaps aus Reis, geht prima mit Tonic) hingen uns noch bis zum nächsten Abend nach..

 

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