13. Februar 2018 °seb 0Comment

Kein Feature über Myanmar auf Arte ohne Bagan, keine Namensnennung ohne Assoziationen von Ballons in Sonnenaufgängen über Pagoden, Pagoden und noch mehr Pagoden. Und außerdem der most-touristic spot in Myanmar. Da wollten wir hin. Über Nacht ging es mit dem im Yangon-Beitrag erwähnten Luxus-Premium-Schlafwagen ins Pagodenparadies.

Der Luxus-Premium-Schlafwagen war ein alter britischer Holzwagen mit ziemlich ungewöhnlichem Layout. Die drei Abteile des Schlafwagens waren nur von außen zugänglich (kein Gang, keine Verbindung zu anderen Wagons), hatten jeweils vier Betten in Längsrichtung, ein eigenes Miniklo und – ernsthaft – ein Ankleidezimmer. Alles in einem sympatisch heruntergekommenen Zustand. Also eher so Leipzig, nicht Cottbus. Damals. Wir bestiegen unseren Schlafwagen am späten Nachmittag, nachdem wir aus Langeweile vorsorglich noch eine 12-Uhr-Massage über uns ergehen ließen. Kaum im Wagon wurden wir vom “Chef du Restaurant du Train” überrumpelt. Er nötigte uns noch am Bahnsteig eine Order ab, wiederkommen würde er nicht, wir müssen also jetzt! sofort! bestellen! Schwups noch einige Positionen, die wir eigentlich nicht wollten, in die Bestellung rein genuschelt und so bezahlten wir unsinnige 13€ für ein Bier und unsinnig viele, unsinnig große Portionen von unsinnig gewöhnlichem Essen und noch zwei unsinnig hochkonzentrierte Nescafé im Bierglas am nächsten morgen. Zur Erinnerung, die Zugtickets waren 10€ pP. Hrrmpf! In der Abendsonne durch Myanmar rumpeln war aber hervorragend, an Schlafen war wegen Kälte und Zustand der Schienen quasi nicht zu denken. Und so kamen wir am nächsten Tag ziemlich derangiert (Derangiert! Mit der Bahn! (De-)Rangieren! Lustig! Haha!) in Bagan an.

Konsequenterweise war der Bahnhof wieder weiter entfernt als der Flughafen und die Taximafia hatte anscheinend genügend Einfluss auf die Besitzer kleiner Pickups, dass diese nur Einheimische mitnehmen wollten/durften und wir nach Verhandeln, Weglaufen und Nachverhandeln das 3-fache das Einheimischenpreises zahlten. (5€ statt 70 Cent pP). Das Abkassieren ging gleich weiter, 15€ pP für den Zutritt zum historischen Gebiet. Die Hotelauswahl in Bagan ist mittelmäßig, das kostete uns 26€ pro Nacht.

Aber damit waren wir angekommen und es war großartig. Mit Elektrorollern zu 3€ / Tag bewegt man sich durch das Gebiet, auch auf sandigen Trampelpfaden, wohin man will, nur die Batterie im Auge behalten. Tagsüber sucht man Pagoden, die begehbar sind und einen guten Sonnenauf- oder Untergang abgeben. Die gewünschte Pagode steuert man dann zur korrekten Zeit an. Maps.me ist da eine Hilfe oder auch nicht, weil quasi 20 mal “Best Sunset Spot” eingetragen wurde. Die Sonnenuntergänge waren immer fantastisch und je nach Pagode auch ziemlich gut besucht. Sonnenaufgang läuft so: 5 Uhr aufstehen, im Dunkelkalten mit dem Elektrodings zur gewünschten Pagode brettern, raufklettern, Leute begrüßen, warten, Leute begrüßen, Glotzen, Picture-Picture, Glotzen, Heimfahren, Frühstücken, Mittagsruhe. Beim Sonnenaufgang hatten wir einmal etwas Pech mit dem Wetter und der Position, der zweite war aber g-r-a-n-d-i-o-s. Anbei ein paar Bilder zum Überblick, es gibt noch einen Extrabeitrag, nur Bilder – sonst wird das hier zuviel.

Myanmar leidet schon seit längerem unter einem deutlichen Einbruch der Touristenzahlen und so war das Most-Touristic-Something in Myanmar ein Witz gegen jede noch so kleine Attraktion in China oder Japan – es war eigentlich ziemlich angenehm. Reicht jetzt aber erstmal an Pagoden.

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