6. Oktober 2017 °anne 0Comment

Der Rundtour ihr sein dritter Teil führte uns endgültig weg von der Gobi und in Richtung Zentralmongolei. Mit den (V-)Erfahrungen vom Vortag saßen wir früh gespannt und mit maps.me die Richtung checkend im Auto und waren skeptisch. Ein Stopp an einer Yurte im Nirgendwo entpuppte sich als Besuch Lapshoois bei Bekannten und brachte uns eine Kaffeepause neben dem shithole der Familie. Nunja. Die vielen Fahrwege wurden mit den Stunden wieder größer und befahrener, und plötzlich befanden wir uns auf Asphalt, dazu noch ein Futzelchen mobiles Internet – Jubel wie nach einer erfolgreichen Flugzeuglandung in den 90ern, Laapshoi grinst wissend. Hallo Charchorin (oder Kharkorin), ehemalige Hauptstadt der Mongolei!

Entgegen aller Sorgen checkten wir am Nachmittag in ein Yurten-Camp am Rande der Stadt ein ohne wieder drauf zu zahlen und erhielten dafür quasi Hostel-Features! Hübsche Yurte, Laundry, fließendes Wasser mit Klo hinterm Duschvorhang und ein gutes Frühstück inklusive! Ach und WLAN noch oben drauf! Wahnsinn, wie so kleine Dinge die (Möchtegern-) Weltreiseblogger glücklich machen konnten. Immerhin hatten alle elektronischen Geräte in den letzten Nacht schon mal wieder Strom gesehen, was für erheblich bessere Laune der fleißigen Dronen-Piloten sorgte. Zwei Nächte am Stück alles aufladen, das war schon was! Davor hatten wir nie Strom, höchstens eine trügerische solarbetriebene Lampe im Zelt.

Am nächsten Morgen schauten wir uns die örtliche Sehenswürdigkeit an: das erste buddhistische Kloster der Mongolei namens Erdene Dsuu. Viel ist wie bei dem Kloster zuvor auch hier nicht mehr übrig. Während der stalinistischen Zeit nach 1930 wurden die meisten Kloster dem Erdboden gleich gemacht und die heutigen Versuche die wieder aufzubauen scheitern am Geld. Eine große Mauer drumherum und vier Tempel sind heute noch da – ausnehmend hübsch.

Nach ein paar Kilometern Asphalt-Träumchen waren wir zurück auf feinsten Feldwegen. Mit wieder mal traumhafter, aber ganz anderer Kulisse: grüne Hügel- und Berglandschaft, durchzogen von Flüssen und Wäldern mit unzähligen Schafen, Ziegen, Pferden und Yaks. Wer die mal in letzter Sekunde (machen diese Trotteltiere aber auch wirklich jedes mal so) von einem Auto hat wegspringen sehen, weiß wo Lachmuskeln weh tun können. Das Camp bei Tsenkher lag direkt neben der heißen Quelle und hatte einige Badebecken inklusive. Spazierten im Nieselregen, Aufwärmen in den schwefeligen Müffel-Heißwasser-Becken – Einschlafen war hier zum ersten Mal mit Ofenheizung in der Yurte. Ab sofort ein täglich notwendiges Ritual. Die Öfen sind nicht ganz dicht und gehen wegen dem brandschwachen, gern feuchten Holz alle zwei Stunden aus – ein feines Odeur von Lagerfeuer lag von nun an über der Reisetruppe.

Über regenrutschige Wege und Berge hoch und Berge runter ging es am nächsten Tag über Tsetserleg zum White Lake. Ashaltstrecken waren ein entfernter Traum und gaben gemeinsam mit dem Funkinternet nur ein traurig-kurzes Intermezzo in der Stadt. Wir konnten unsere Picknick-Vorräte auffüllen: gut&günstig Frucht-Müsli, Bayrische Leberwurst, Trockenpflaumen, Schokolinsen, Brot, Äpfel und Salatkram. Zufällig sind wir neben dem Supermarkt in den Marktmarkt reingestolpert und haben in der milchig-Abteilung Aaruul gekauft. Das ist getrockneter Quark, der in verschiedensten Formen daherkommt. Schmeckt bisschen wie in Essig eingelegter Parmesankäse oder überlagerter Cheesecake. Gute Wegzehrung also!

 

 

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