30. September 2017 °seb 3Comment

Mongolei Tour, zweiter Teil: Wir entwickelten ein Verständnis für den allgegenwärtigen Gebrauch von Russen-Vans oder Landcruisern (Hatten wir nicht auch derartige Angebote? Wir Trottel!). Aber Laapshoi interessierte das nur periphär und lieferte sich mitunter kleinere Rennen mit Allradgetriebenen. Lässt man den schnöden Teer hinter sich, kommt es nämlich vor allem auf die Streckenwahl an und darauf, Bodenwellen als solche zu erkennen … oder zu ignorieren – Bodenwellen ignorieren musste eine der unnützen Superkräfte von Laapshoi sein. Interessanterweise wirkte sich das aber zusehends auf die Gangschaltung aus, so das von nun an der 1. oder 2. Gang traditionell wie folgt eingelegt werden musste : Rollen – 1. Schaltversuch – Weiterrollen – 2. Schaltversuch – Weiterollen – 3. Schaltversuch – 4. Schaltversuch….Motor Aus – gewünschten Gang einlegen – Motor An – Rucken – Weiterfahren.

Das kann ja heiter bis wolkig werden. Hatte schon jemand erwähnt, dass wir alles Geld im Voraus gezahlt hatten? JungeJungeJungeJungeJunge!

In der Konsequenz musste im folgenden Yurtencamp das Auto zerlegt werden. Zusammen mit einem Fahrerkumpel, sechs Dosen Bier und einem gesunden Gottvertrauen (in welchen auch immer) wurde das komplette Getriebe in den Wüstenstaub gebettet, Kupplung raus, Scheibe irgendwohin zum Überarbeiten und bis in die Nacht mit Taschenlampe im Mund wieder eingebaut. Eine von unseren Bloggerkumpanen verborgte Stirnlampe wurde dankbar verwendet. Wir fühlten uns wie am ersten Tag, nur dass es diesmal nicht darum ging, ob uns ein Auto am Hostel abholt, sondern ob uns ein Auto aus der Wüste bringt (Ok, Drama Drama, wir waren ja nicht allein am Nordpol!) Apropos – die Sanddünen waren großartig. Vor allem groß, wir haben es gar nicht erst zum Zipfel geschafft, eine einzige Quälerei in dem Sand. Außerdem war es absurd heiß und sonnig, genau der richtige Zeitpunkt, um ein müffelndes Kamel durch die Wüste zu reiten, Glückwunsch an °anne und Grüße an den Hautarzt!

Am nächsten Morgen stand das Auto dann an einer anderer Stelle, es muss sich also irgendwie bewegt haben. Tatsächlich – einladen, weiterfahren. Interessant der kurze Besuch in einem kleinen Dorf, der Marktplatz ein einziges Inferno, da jeder Shop seine Kühltruhen über einen Dieselgenerator vor der Tür betrieb. Interessant auch, dass diese Dörfer auch immer ein kleines Müllkrematorium besitzen, logischerweise genau auf dem Dorfplatz. Nächstes Ziel: Flaming Cliffs, eine Art Kreidefelsen aus rotem Lehm am Rande der Gobi, wieder über einen ziemlichen Umweg und bescheidene Wege erreichbar. Nett anzusehen, es fing aber auch an zu nieseln und das Abendlager war 150km entfernt – und zwar ohne einen Kilometer Asphalt. Wir hatten ja erst 3h davon hinter uns.

And so it begins.

Monotone, aber erstklassige Landschaften mit fünftklassigen Feldwegen nur ein was war komisch – an der ein oder anderen “Kreuzung” fuhr Laapshoi langsamer…schaute etwas fragend…beschleunigte nicht sofort…drehte sich um…schaute nach vorn…und irgendwann…er wendete. Die nächsten drei Stunden bestanden aus im Kreis fahren, an Gers klopfen (um genau zu sein drei, denn mehr davon gab es nicht binnen dieser 3 Stunden), wieder falsch fahren, fahren wo NIE ein Auto gefahren ist, geschweige denn ein Nicht-Allrad. Erfolg stellte sich ein, nachdem wir nach langer Diskussion eine Mongolin ins Auto gepackt und ihren Mann auf dem Motorrad voraus geschickt haben.

Jawoll! Zurück auf einem 4 spurigen Feldweg! Damn! Immer noch 130km Feldweg vor uns.

Laut Karte sind wir teilweise zurück gefahren. Von den Flaming Cliffs waren wir nur 20 oder 30km weit weg. Nun ja, nach weiteren 4 Stunden im regnerischen Dunkeln am Ziel (Irgendso ein ziemlich heruntergekommenes Tempelfeld mit durchwachsener Geschichte, haben wir am nächsten morgen noch im Nieselregen angeschaut) angekommen, Yurtencamp wie schon am ersten Tag überbelegt, die nächsten auch, wir mussten für ein teures (und nicht mal gutes) Touristencamp draufzahlen. Nunja, nichts was man nicht erwarten konnte, wenn man die Hälfte vom üblichen Preis bezahlt, aber irgendwie auch Teil des Abenteuers.

3 thoughts on “#15 – Querfeldein durch die Mongolei II

  1. Drei Monate jetzt, aber die Mongolei ist mein absoluter Spitzenreiter! Was für eine grandiose Landschaft…..IHR seid grandios, faszinierende Bilder, und eure Texte lassen mich manchmal laut auflachen und immer in mich rein grinsen. Ihr solltet “DIY or die” zu eurer Strategie machen.
    Denn den Mumm, Optimismus und das Gottvertrauen dazu habt ihr. Gute Weiterreise, wo immer ihr auch gerade steckt ……

  2. Ich muss es auch nochmal sagen: euer reisestyle klingt abenteuerlich und daher gut 😉 zumindest hier in der bequemen küche kann ich das sagen…

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