24. September 2017 °seb 1Comment

Staffel 1, Episode 13 endete mit der Übergabe von 1720 Dollar oder 4,2 Millionen Tugrik in einem Familienvan mit abgedunkelten Scheiben in der Nähe des mongolisch-hauptstädtischen Schwarzmarktes an einen unbekannten Fahrer, nennen wir ihn Laapshoi (er schrub so etwas auf einen Zettel).

Diese Summe sollte uns und die neu gewonnen Blogger-Kumpels für 12 Tage durch die Mongolei bringen. Primär war mit der Bezahlung aber erstmal die Hoffnung verknüpft, dass uns am nächsten Tag überhaupt jemand am Love-Hotel abholt. Bei Auftauchen des Fahrers am nächsten Tag sollte auf Vorschlag der ukrainischen Minderheit in unserer Reisegruppe mit Kaviar gefeiert werden.

Nächster Tag – es war tatsächlich Kaviar-time. Unser Fahrer kam mit dem gleichen Familienvan wie schon bei der Geldübergabe, frisch gereinigt und mit gewaschenen Sitzbezügen. Nice. Ab zum Supermarkt, ordentlich eingekauft (schon erwähnt? Kaviar?) und los ging die wilde Fahrt. Nach 180 km – irgendwie schon am ersten Ziel vorbeigefahren, kamen erste Sorgen über Beschaffenheit und Organisation der ganzen DIY-Tour auf. Wir wurden eines besseren belehrt und bekamen die erste Lektion zur mongolischen Straßensituation:

  1. Ein direkter Weg existiert selten und ist noch seltener geteert
  2. Geteert ist nur was von der Hauptstadt wegführt
  3. Die Qualität geteerter Straßen nimmt mit der Entfernung zur Hauptstadt im Quadrat ab
  4. Bei nicht geteerten Straßen besteht die Wahl zwischen 2 bis 6 parallelen Feldwegen
  5. Bei weniger als 2 verfügbaren Feldwegen, hat man sich verfahren oder die Route ist unüblich
  6. Feldwege in der Mongolei sind nicht zu verwechseln mit deutscher Feldwegkultur
  7. Auch ohne Allrad und im koreanischen Familienvan kann man auf dem auf diesen “Feldwegen” 80 – 90

Also – erst am Ziel vorbei, zu einer “Abzweigung” fahren und dann 30 km über Feldwege mehr oder weniger zurück. Bei der Gelegenheit wurde uns nochmal versichert, dass wir ca. 3500km unterwegs sein werden.

Für den ersten Tag standen zwei steinige Ziele auf dem Programm. Eine Art Steinfeld mit Aussicht und rote Felsen mit Sonnenuntergang, dazu Probleme bei der Yurtensuche, offensichtlich war das angedachte Lager ausgebucht. Naja, 1000m weiter, bei den Kamelen links abbiegen und vor den Ziegen zum Stehen kommen – das Nächste Hotel Rwan…Mongolia – leicht muffelige Hütte mit kurzen Betten, mittelguter Suppe und Restbeständen vom russischen Pinienkern-Wodka. Und hier fiel den Anwesenden ein weiteres Problem auf: Wir hatten keine Schlafsäcke und dachten wir hätten das vorher kommuniziert. Kann natürlich sein, dass wir das bei den drölfzig Facebook Gesprächen mit potentiellen Fahrern genau bei Shine nicht erwähnt haben. Während also die Hosteltourvans gegenüber Leute und Schlafsäcke ausspuckten, wurde unser Fahrer zunehmend nervös und gestenreich. Es wurde dunkel und bald konnte man erahnen wie kalt es nach einen 30°C Tag mit leichtem Sonnenbrand (ich hatte sie mal wieder, die Krankheit der Dummen) werden kann – eine unfassbar großartige Sternennacht gab einen weiteren Hinweis auf die zu erwartende Abkühlung.

Am nächsten Tag wurden billig-flauschige Fussel-Decken in der nächsten Stadt gekauft. Das nächste Ziel war Yolun Am, beschreiben wir es mal als Steinfelsental mit vom Aussterben bedrohten Felsenziegen (Ziegen! Wie kann es anders sein in der Mongolei), die eigentliche Besonderheit ist aber wohl, dass dort bis in den Sommer hinein Eis liegt, durch dessen Abtau-Kanäle man wandert. Nun ja, das Eis war schon länger dahin – dennoch ein sehr schickes Tal. Noch besser war das Yurtencamp für die zweite Nacht, riesige Yurte, absurd farbenfroher Sonnenuntergang über den Hügeln, eine wohl-fein schmeckende Suppe und … Decken!

Die 180° Wende in Sachen Yurtenqualität ging allerdings mit einer Kehrtwende bei der Beschaffenheit der Straßen einher. Waren wir bisher sowas wie 80 Prozent Teer und 20% “Feldweg” zum Ziel gewöhnt, entwickelte sich der Straßenmix nun zu 40% “Feldweg” und 30% “Beschissener Mist-Feldweg”, 20% “Dein Ernst, Laapshoi?” sowie 10% “Mein voller Ernst”. Es ging direkt in und durch die Gobi. Dort wo wir langfuhren, war das allerdings mehr eine Steinwüste oder Grobsandwüste und keine Bilderbuchwüste im klassischen Sinne (auch wenn unser nächstes Ziel riesige Sanddünen waren, die sich aus trockenstem Steppenland erhoben).

One thought on “#14 – Querfeldein durch die Mongolei I

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