28. Februar 2017 °seb 0Comment

Wir wären nicht in Deutschland, wenn es da nicht eine handvoll Regeln und Sicherungen gäbe, die einen davor bewahren sich ins Unglück zu stürzen. Aber nicht zuletzt durch eben all diese Regeln und Sicherheitsnetze ist es so komfortabel und ungefährlich eine Weltreise zu unternehmen. Danke dafür und den deutschen Pass, viel besser kann man es kaum treffen.

Die erste Regel ist: Telefon in die Hand, Krankenkasse anrufen und nach Modalitäten und Fristen zum Ausstieg fragen. Das Thema Weltreise darf erwähnt werden – die Leute kennen sich aus. Vor allem bei den Privaten Krankenversicherungen sollte man sich sehr genau informieren. Das wird nicht alles genau zu eurem Fall, eurer Weltreise-Planung, im Internet zu finden sein oder ihr seid nach einer Stunde googlen maximal verunsichert. Aber wem erzähl ich das – bevor ich irgendwo nachfrage, fließt viel Wasser die Elbe runter.

Für gesetzlich Versicherte mit gewöhnlichen Jobs sollte die Weltreisevorbereitung grob so funktionieren:

  • Krankenkasse zu eurem Wunschdatum Δ schriftlich kündigen
  • Nachweis über die Krankenversicherung ab Δ erbringen
  • Weltreise – Raus aus Deutschland ab Δ
  • Bei Rückkehr nach Deutschland sofort wieder anmelden – wenn man sein Rückkehrdatum Ω genau kennt, könnte man sich theoretisch schon vor der Abfahrt zu Ω wieder anmelden – Nachfragen!
  • Ab Ω bzw. nach Jobende und vor dem Start Δ von Reise und Auslandskrankenversicherung kostet es ca. 180€ pro Monat, wenn kein Anspruch auf die üblichen Netze (ALGI / II) besteht
  • (Δ – Ω) · (-1) = Dauer der Weltreise ζ

Als Versicherung während der Weltreise dient eine spezielle Auslandskrankenversicherung, die zwischen 25 und 70€ / Monat kostet. Nicht zu verwechseln mit den 6€/Monat on-top Angeboten eurer Krankenkassen. Der Preis hängt von den gewünschten Reiseländern (Kanada/USA inkl. oder exkl.) Alter und mitunter auch Dauer ab. Die bekanntesten Anbieter sind HanseMerkur und STA Travel. Außerdem besteht automatisch eine einmonatige Nachversicherung bei eurer Krankenkasse ab Kündigungsdatum. Damit ließe sich eventuell ein Monat zwischen Kündigung und Abreise überbrücken, ohne in jenem Monat den Mindestbeitrag von ca. 180€ zu zahlen – hier hilft wieder Nachfragen.

Blöd wäre natürlich, wenn man 2 Jahre die Welt bereist, davon aber nur 2 Monate USA und über die gesamte Reisedauer inkl. USA bezahlt – das ist deutlich teurer als exkl. USA. Deswegen – günstigstes Paket bestellen und an den Reiseplan anpassen. Man ist jederzeit in der Lage zu verlängern oder den Umfang zu ändern. Maximallaufzeiten sind anbieterabhängig, zwischen 1 und 5 Jahren sollte es alles geben.

Beachtet, dass manche (gesetzlichen) Krankenversicherungen Mindestlaufzeiten haben, zumindest habe ich zuletzt die Krankenkasse erst wechseln können, nachdem ich 18 Monate in die vorherige eingezahlt hatte. Noch dazu lief diese Frist nach meinem letzten längeren Aufenthalt im Ausland erneut los. Ich hatte die Versicherung gekündigt und nachher wieder aufgenommen – trotz gleicher Versicherung wieder 18 Monate Mitgliedschaft. Meine jetzige Versicherung kennt sowas nicht.

Interessant könnte das eventuell auch für Leute sein, die wie wir zurückkommen und nach 2, 3 Monaten nocheinmal los wollen. Wenn überhaupt decken Auslandskrankenversicherungen nur 4-6 Wochen Deutschlandaufenthalt pro Jahr, wenn das nicht der Fall ist oder ihr länger in Deutschland verweilt, seid ihr so oder so zur Wiederanmeldung verpflichtet.


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Eine Krankenkasse ist in Deutschland aus gutem Grund Pflicht und wenn einer denkt, das würde auch mal 2, 3 Monate ohne gehen – Aufhören! Nicht weiterdenken! So machen wie Papa es sagt! Auch wer denkt – ‘Ach ge, passiert nix, nehm ich die Reisekrankenversicherung nur für die ersten 3-4 Monate als Nachweis, dann läuft die aus und gut ist’ – Aufhören! Nicht machen! Wenn die Reise an 30-50€ pro Monat scheitert, dann ist man finanziell ein wenig überstrapaziert und sollte besser noch einen Monat arbeiten gehen. Man kann überall sparen, zum Beispiel bei Wild-West-Lodges mit Infinity-Fernseher und Flachbild-Pool in Südafrika – aber eine Krankenversicherung, die braucht man!

Hier noch zwei Affiliate-Links – wenn jemand genau jetzt in Versuchung geraten sollte, sich eine Versicherung zu holen:
Versicherungsschutz im Ausland mit der HanseMerkur
Reisekrankenversicherung bei STATravel 

Passend dazu:
Impfungen für die Langzeitreise

Wieder eine einfache Vorgehensweise:

Erst informieren, wie die Krankenkasse die Erstattungen handhabt – fast alle erstatten die nach StiKo empfohlenen Reiseschutzimpfungen. Ob Weltreise oder Kurztrip ist da nicht von Bedeutung. Seiten wie dem Centrum für Reisemedizin informieren nach Ländern sortiert, was auf einen zukommt. Informiert euch da zeitig, vielleicht tut es Not die Krankenkasse zu wechseln, um nicht auf mittleren dreistelligen Impfkosten sitzen zu bleiben, vielleicht spart man auch noch gehörig am Beitrag (Ich sag nur AOK Plus). Hier aber wieder beachten, sich keine Mindestlaufzeit beim Wechsel einzufangen.

Ist das geklärt: Nehmt Bargeld, Impfpass, viel Zeit und geht rechtzeitig zur nächstgelegenen Impfberatung. Globetrotter mit Impfberatung soll auch gehen, allerdings hört man von etwas Rumgezicke seitens der Krankenkassen bei Erstattung. Rechtzeitig bedeutet übrigens ungefähr 6 Monate vorher – manche Impfen sind 2 oder 3-fach mit Abstand von ein bis zwei Monaten. Beispielsweise kann ich mir nur zwei von drei FSME Spritzen geben, weil ich ein paar Wochen zu spät für die erste war. Der Schutz ist immer noch gut, aber nicht perfekt.

Bei der Beratung angekommen, heißt es wahrscheinlich warten-warten-warten. Fernreisen ins nicht-sozialistische Ausland sind voll im Trend, Weltreisen und Selbstfindung auch – deswegen machen wir das doch. Vom zuständigen Impf-Bevollmächtigten bekommt man dann, nach Angabe der gewünschten Reiseländer, einen hübsch gefüllten und angekreuzten Empfehlungsschein.

Preislich sollte die Beratung um die 9 € kommen, fängt der Arzt an zu Impfen nochmal ungefähr das gleiche und je nach Impfe sind zwischen 30 und 60 Euro fällig, wenn es sich nicht um für Deutschland empfohlene “Pflicht”-Impfungen handelt.


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